KOAconference: Was die Gründerinnen anders machen wollen

Die KOAconference, bei der wir Medienpartner sind, findet in diesem Jahr das zweite Mal statt. Sie richtet sich an weibliche Nachwuchskräfte und will diese mit wichtigen Persönlichkeiten aus der Wirtschaft vernetzen. Aber was wollen die beiden Gründerinnen der Konferenz, Tamara Schenk und Nadja Ali, konkret anders machen? Und wie kamen sie überhaupt auf die Idee, eine Karrieremesse speziell für Frauen zu gründen?

Angefangen hat alles mit einem Trip in die USA, erzählt Schenk. Sie besuchte die großen Konferenzen der Digitalszene und hatte das Gefühl: Wir brauchen so etwas auch in Deutschland. Also tat sie sich 2016 mit Nadja Ali zusammen, um die KOAconference ins Leben zu rufen. Das Ziel: Ein Netzwerk für Frauen in der Businesswelt aufbauen.

Zur ersten Veranstaltung im letzten Jahr kamen 200 Besucherinnen. Dieses Jahr sollen es schon 600 werden. Ein steiles Wachstum. Neben der Konferenz sollen eigene Formate zum Netzwerken entstehen, etwa eine KOAapp sowie gezielte Coachings.

Unterstützt werden die beiden Gründerinnen seit ein paar Monaten von Ricarda Droop, die Gründerin des Consulting- und Coaching-Unternehmens Wandelzeit. Bevor sich Droop selbstständig machte, arbeite sie unter anderem bei der Deutschen Bahn und war dort für die Unternehmenskultur und das Veränderungsmanagement zuständig. Gemeinsam mit Schenk und Ali möchte sie junge Frauen beim Karriereeinstieg und -weg unterstützen und so Teil des „KOAmovements“ werden. „KOA“, das aus dem Hawaiianischen kommt, bedeutet in etwa: Stolz- und furchtlos sein. Und genau das wollen die Drei weiblichen Nachwuchskräften vermitteln.

Nähe schaffen

Die zwei Dinge, die Schenk auf den Events in den USA am meisten beeindruckt haben, waren vor allem Nahbarkeit und der Faktor Spaß. Das wollen sie auch bei der KOAconference umsetzen. Zum Stichwort Nahbarkeit: Frische Berufseinsteigerinnen, die in der Regel Anfang oder Mitte Zwanzig sind, sollen die Möglichkeit bekommen, sich mit gestandenen Persönlichkeiten aus der Wirtschaft austauschen zu können. Die Experten sollen sich nicht im VIP-Bereich verstecken. So sehen die Teilnehmerinnen, dass diese keine Übermenschen sind. Auf der anderen Seite erfahren die Experten, die als Speaker auftreten, was die Erwartungen einer jüngeren, weiblichen Generation an die Arbeitswelt sind.

Der zweite wichtige Faktor der Konferenz ist Spaß. Es wird extra Menschen geben, die dafür da sind, dass es allen gut geht – eine Art Feel Good Manager speziell für die Konferenz. Sie sollen den Besucherinnen Orientierung bieten und Kontakte vermitteln.

Die Gesichter der KOAconference: Tamara Schenk, Ricarda Droop und Nadja Ali (von links).

Bitte keine Vorbilder

Braucht es aber im Jahre 2018 noch eine eigene Karrieremesse ausschließlich für Frauen? Ja, meint Droop. Frauen müssten noch mehr empowert werden. Viele Frauen zweifeln etwa, ob ihre Fähigkeiten ausreichen. Jemand muss ihnen Mut machen. Genau darin sehen Droop und die anderen ihren Job.

Der prominenteste Speaker in diesem Jahr ist ein Mann: Matthias Döpfner, Vorstandvorsitzender von Axel Springer SE. Steht das nicht im Widerspruch zum Empowerment von Frauen? Ein Mann als bekanntester Speaker? Bräuchte man für mehr Nahbarkeit nicht andere Vorbilder? Der Vorwurf komme häufiger, erzählt Ali, aber sei so nicht richtig. Ihnen gehe es nicht darum, Vorbilder zu zeigen und zu sagen: Das ist der Weg, geh ihn! Sie wollen als neutrale Plattform Geschichten erzählen, die vor allem Mut machen, die eigenen Wege zu gehen. Matthias Döpfner hat in ihren Augen spannende Geschichten zu erzählen und kann damit Frauen inspirieren.

Gibt es also etwas, was Frauen von Männern und Männer von Frauen lernen können? Droop meint ja. Viele Frauen würden zum Beispiel oft zu unentschlossen handeln. Männer seien hier ganz anders – auch wenn man natürlich nicht verallgemeinern sollte. Aber häufig würden Männer entschlossener und energischer das umsetzen, was sie für richtig halten. Nachdem Droop viele Jahre in einem sehr männerlastigen Umfeld gearbeitet hat, weiß sie, wie sehr sich die Zusammenarbeit mit Frauen unterscheidet. Frauen würden mehr die Wünsche der anderen wahrnehmen, sich dann aber auch schnell darin verheddern, statt entschlossen zu handeln.

Und wie soll es mit der Konferenz weitergehen? Was wäre die absoluten Wunschspeaker? Schenk und Ali nennen Sheryl Sandberg und Diane von Fürstenberg. Die sind für sie der Inbegriff von Empowerment. Zu beiden bestehe bereits Kontakt. Droop fände auch Input von einer Frau aus der Politik spannend – Angela Merkel zum Beispiel.

Vielleicht klappt das ja im nächsten Jahr.


 Die KOAconference findet am 2. November in der Station Berlin statt.


Nele Spandick

Nele hat nichts mit Medien studiert und versucht es trotzdem. Verheddert sich häufig in philosophischen Gedankenspielen und politischen Diskussionen. Entheddert sich dann mit wirtschaftlichem Pragmatismus, down-to-earth Trashkultur-Konsum und gutem Essen.

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